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Freitag, 21 Juni 2024

Rückblick Para DM 2024 im Glaspalast

(tho) Vor kurzem die Deutschen Meisterschaften im Bogenschießen, danach das internationale Darts-Topevent und nun die nationalen Titelkämpfe im Para Tischtennis: Der imposante Sindelfinger Glaspalast präsentierte sich zuletzt als facettenreicher Veranstaltungsort für unterschiedlichste Sportarten. An zwei Tagen ermittelte die Para Tischtenniselite mit hochdekorierten Medaillengewinnern von Paralympischen Spielen sowie Welt- und Europameisterschaften ihre nationalen Meister in Einzel-, Doppel- und Mixed-Wettbewerben.

Dass man nach den Erfahrungen im Vorjahr mit dem Sindelfinger Glaspalast keinen Fehler machen konnte, war den Planern recht schnell klar. „Solch eine Halle mit genügend Platz für alle Wettkampfklassen und einem großzügigen Cateringbereich gibt es in Deutschland eher selten“, sagte Thomas Bröxkes, Erster Vorsitzender der Tischtennisabteilung im veranstaltenden Deutschen Behindertensportverband (DBS). „Wenn es nach mir geht, darf das auch zukünftig an dieser Stelle stattfinden, aber das ist halt auch eine Finanzierungsfrage“, so Bröxkes. Ins gleiche Horn blies Harald Laue, Vizepräsident vom ausrichtenden Württembergischen Behinderten- und Rehabilitationsverband (WBRS): „Das All-in-one-Paket passt hier einfach und die Zusammenkunft aller Klassen stärkt den Gemeinschaftssinn.“ Wie schon bei der Premiere in 2023 waren es sowohl die stehenden Behinderten, die Rollstuhlfahrer und die Akteure mit geistiger Beeinträchtigung, die im großen Team an den Start gingen.

Durchaus zufrieden mit der Unterstützung aus den eigenen Reihen zeigte sich am Ende Carsten Seeger von der Tischtennisabteilung des VfL Sindelfingen. Als Gastgeber zeigte man sich für Auf- und Abbau der Tische, Bewirtung der Gäste, Bereitstellung der Ballkinder und die Organisation des geselligen Abschlussabends verantwortlich. Allerdings konnte er sich einen Seitenhieb in Richtung des Veranstalters nicht verkneifen. „Im Vorfeld liefen einige Aktionen doch recht zäh, ich denke da nur an das Erstellen des Turnierplakats“, nennt Seeger ein Beispiel, „dementsprechend wurde das Event kaum beworben.“ Sauer stieß dem langjährigen Abteilungsleiter auf, dass zu Beginn keine offizielle Begrüßung stattfand und quasi aus dem Nichts die ersten Ballwechsel gespielt wurden. „Das darf bei solch einer Vorzeige-Veranstaltung nicht sein“, monierte er.

Rein sportlich ließen die Wettkämpfe keine Wünsche offen. Die Topathleten, die sich auf der Zielgeraden in Richtung Paris befinden, wurden ihrer Favoritenrolle gerecht. So kam es in der Wettkampfklasse 3 zum erwarteten Einzelendspiel zwischen Thomas Schmidberger (Borussia Düsseldorf) und dem Frickenhausener Thomas Brüchle, das der Silbermedaillengewinner von Tokio mit 11:9, 11:5 und 11:9 für sich entschied. „Ich muss gegen Tom immer mit viel Risiko spielen und möglichst den ersten Satz gewinnen, wenn ich eine Chance haben will“, sagte Brüchle, der zum elften Mal in einem DM-Finale auf Schmidberger traf. Konkurrenzlos war Valentin Baus (Borussia Düsselorf) in der Klasse 5, ohne Satzverlust ergatterte der Favorit die Goldmedaille. Aufgrund der erblich bedingten Glasknochenkrankheit sitzt Baus seit 2008 im Rollstuhl, in Tokio gewann er 2021 Gold. Dem nun wieder stetig ansteigenden Medienrummel vor den Paralympischen Spielen blickt er gelassen entgegen: „Besser so als wenn sich keiner für uns interessiert.“ Eines der spannendsten Finals lieferten sich im Doppel Valentin Baus und Thomas Schmidberger mit Thomas Brüchle und dem Berliner Jan Gürtler, das nach 0:2-Satzrückstand noch umgebogen wurde. In einem nicht minder dramatischen Endspiel gewann Janette Püski (DJK Franz Sales Haus Essen) die Konkurrenz bei den Damen der Klasse AB gegen die Baden-Württembergerin Lena Sadrina (TTF Stühlingen).

Mit der 17-jährigen Gracia Rentschler, die im Regelsport für den VfL Sindelfingen spielt, schaffte es auch eine Athletin aus Reihen des Gastgebers auf das Podest. Im Wettbewerb AB wurde Rentschler im Einzel genauso Dritte wie im Doppel an der Seite von Stephani Sterr (Tischtennis Frickenhausen). Der 18-jährige Lasse Hauser vom TSV Steinenbronn bejubelte unlängst zwei zweite Plätze bei den deutschen Jugendmeisterschaften, in der offenen Klasse schaffte er es mit Anfeuerungsrufen der Sindelfinger in die zweite Runde. „Ich hab ein paar Kumpels in Sindelfingen und sie wollen, dass ich zu ihnen wechsle“, sagte Lasse Hauser und grinste.

Seit vielen Jahren gehört Gudrun Högemann aus der Behinderten- und Rehasportabteilung des VfL Sindelfingen zum festen Teilnehmerstamm, immerhin reichte es genauso wie bei ihrem Vereinskollegen Robert Koch aus Aidlingen zum einen oder anderen Erfolgserlebnis. „Ein tolles Turnier direkt vor der Haustüre“, sagte Rollifahrer Robert Koch, der mit Glaspalast-Manager Uwe Dieterich sehr gut befreundet ist und sogar öfter mit ihm Tischtennis spielt. „Unsere Trainingsgruppe in Sindelfingen würde sich über Zuwachs freuen.“ Durchaus vorstellbar wäre es für Carsten Seeger, die Rollstuhlspieler unter dem Dach der Tischtennisabteilung einzubinden. „Auch Tischtennis für Parkinson-Erkrankte ist derzeit im Kommen. Die Sportler haben es verdient, professionell betreut zu werden.“

Positiv angetan vom Ambiente im Glaspalast zeigte sich Bundestrainer Volker Ziegler aus Lehenweiler. Gerade von einem internationalen Turnier aus Montenegro zurückgekommen, machte er sich ein Bild von der Verfassung seines Nationalkaders. Wobei für einige der Topathleten die sportliche Wertigkeit dieser DM eher gering war. Wenn notwendig, schritt der Chefcoach auch mal ein, so beispielsweise bei seinem Schützling Benedikt Müller (TTC Heppenheim), der sich wegen Fluchens die gelbe Karte vom Schiedsrichter einhandelte und dann von Ziegler zum persönlichen Gespräch gebeten wurde.

Insgesamt 48 Schiedsrichter am ersten und 54 am zweiten Tag, darunter auch welche aus Österreich, sorgten für einen geregelten Turnierverlauf. „Die meisten aus dem Vorjahr waren diesmal wieder mit von der Partie“, sagte Oberschiedsrichter Martin Reinauer, „solch ein Turnier ist für jeden Referee eine Bereicherung.“ Zeitweise im Stress waren die Schlägertester. „Zahlreiche Schläger mussten aus dem Verkehr gezogen werden, weil die Beläge zu dick waren oder das Messgerät belastende, lösungshaltige Stoffe erkannte“, meinte Tester Lothar Jander.