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Jahreshauptversammlung 2022

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Donnerstag, 26 Mai 2022

Portrait Eva Jurkova

(tho) Eva Jurkova hat in Sindelfingen ihre sportliche Heimat gefunden.

Dies wurde mehr denn je an den letzten beiden Wochenenden deutlich, an denen die Slowakin nach langer Verletzungspause wieder als Topspielerin für das Drittligateam des VfL im Einsatz war. „Ich habe meine Sindelfinger Mannschaft schon ziemlich vermisst“, gesteht die 26-jährige.

Das Jahr 2021 würde Eva Jurkova wohl möglichst aus dem Gedächtnis streichen. Nur selten konnte die slowakische Nationalspielerin dem Tischtennissport nachgehen. Ihrer großen Leidenschaft, der sie seit vielen Jahren so ziemlich alles unterordnet. Erst wurde die Regionalliga-Rückrunde corona-bedingt ersatzlos gestrichen und die Saison 2020/2021 annulliert, dann durchkreuzte eine unumgängliche Meniskus-Operation ihre Einsatzpläne in der neuen Spielzeit. Anfang September kam die Offensivspielerin, die in dem kleinen Ort Minovce in der Ostslowakei lebt und regelmäßig in Kosice nahe der ungarischen Grenze trainiert, unters Messer. „Ich durfte am Tag nach der Operation gleich wieder heim, die Zeit direkt danach war schon noch etwas schmerzhaft“, blickt Eva Jurkova auf die Reha-Phase zurück, in der sie mit Krücken umzugehen lernte und in der Folge Stammgast beim Physiotherapeuten war. Ab November versuchte sie es wieder mit Tischtennis. „Nach der morgendlichen Gymnastik habe ich ganz langsam angefangen und die Intensität von Zeit zu Zeit gesteigert“, sagt der 26-jährige Tischtennisprofi, der seinen letzten Wettkampf im März beim WTT Contender in Doha/Katar bestritt.

Eine solch lange Pause musste Eva Jurkova noch nie einlegen. Seit ihrem sechsten Lebensjahr hat sie sich dem Tischtennissport verschrieben, im Jahr 2013 gelang ihr der bisher größte Erfolg mit dem Gewinn der Bronze-Einzelmedaille bei den Deaflympics. Hierbei handelt es sich um die Weltspiele der Gehörlosen, die ihrerseits nicht an den Paralympischen Spielen teilnehmen. Eva Jurkova’s Hörfähigkeit beträgt lediglich zehn Prozent, die (englischen) Worte ihrer Gesprächspartner liest sie normalerweise von deren Lippen ab. Was zuweilen ein herausforderndes Unterfangen darstellt.

Die Deaflympics finden – genauso wie die Paralympischen Spiele - alle vier Jahre statt. Dementsprechend gilt der Fokus bei „Evka“, wie sie von ihren Freunden genannt wird, den diesjährigen, bereits zum zweiten Mal verlegten Deaflympics, die im Mai in Brasilien stattfinden. „Da möchte ich auf jeden Fall eine Medaille gewinnen“, gibt Eva Jurkova die Devise vor. Aktuell ist Jurkova Einzel- und Mixed-Europameisterin der Gehörlosen. Vor fünf Jahren räumte sie bei den Weltmeisterschaften ab, unter anderem holte sie mit Thomas Keinath den Titel im gemischten Doppel. Der ehemalige deutsche Nationalspieler war es auch, der vor gut zwei Jahren den Wechsel von Eva Jurkova nach Sindelfingen in die Wege leitete.

Ein Wechsel, den beide Seiten bislang nicht bereuten. „Ich fühle mich in Sindelfingen sehr wohl, alle sind sehr nett zu mir und sind immer positiv eingestellt“, sagt Eva Jurkova, die sich nach eigener Aussage durchaus vorstellen kann, noch ein paar Jahre beim VfL zu spielen. Zumal die sportlichen Aussichten durchaus vielversprechend sind. Zuletzt rückte die Sindelfinger Erste wieder in die dritte Bundesliga auf und es erscheint realistisch, dass man zumindest zwei Teams hinter sich lassen kann, um weiter in der Liga bleiben zu können. „Zusammen mit unserem aufstrebenden Youngster Fatme El Haj Ibrahim und Alexandra Kaufmann, die uns in der kommenden Saison verstärkt, können wir mit Evka ein schlagkräftiges Team bilden“, sagt Oliver Appelt, der mittlerweile über ein Vierteljahrhundert als Trainer bei den Sindelfinger Damenteams fungiert. Der 49-jährige Plochinger lässt nichts über seine Nummer eins im Team kommen. „Mit ihrer sympathischen und freundlichen Art ist Evka ein Glücksfall für unseren Verein. Man kann sich hundertprozentig auf sie verlassen. Es ist bewundernswert, welch hohes sportliches Niveau sie mit ihrer akustischen Beeinträchtigung erreicht hat. Dies war nur mit größter Disziplin und viel Fleiß machbar.“